Ruth Priese
Ruth Priese     Körper- und systemisch orientierte Begleitung von kleinen und grossen Menschen

                                                           MITERLEBTE GESCHICHTEN


Ida »Endlich ein fröhliches Kind!« wörtlicher Bericht von Idas Eltern

Ida ist als Wunschkind in der 41 SSW nach einer komplikationslosen Schwangerschaft zur Welt gekommen. Die Geburt fand unter enormen Stress für Ida und mich statt, da sie sich mit dem Ellenbogen im Geburtskanal verkanntet hatte und nicht weiterrutschen konnte. Hinzu kam auch noch, dass Ida mit dem Gesicht nach oben in den Geburtskanal gerutscht war (so genannter Sternengucker). Hier versuchte die Ärztin unter den Wehen, Ida zu drehen. Das mit dem Ellenbogen wurde erst erkannt, als Ida auf die Welt kam, die Hebammen hatten vorher immer von einer Lippe gesprochen, die sich wohl am Muttermund verklemmt hätte und deswegen der Kopf nicht weiterrutschen konnte. Da ich am Ende meiner Kräfte war, bat ich um einen Kaiserschnitt, dieser wurde von der Ärztin abgelehnt aber die Hebamme war auch der Meinung, dass ich es nicht mehr schaffe und versuchte die Ärztin umzustimmen. Ohne Erfolg, nach weiteren 4 ½ Stunden kam dann Ida endlich zur Welt. Nach der Geburt wurde sie sofort zur Kinderärztin gebracht und war ca. 3 Stunden von mir getrennt. Auch wurde ihr mehrfach Fruchtwasser abgesaugt.
In der zweiten Nacht ging es dann im Krankenhaus bereits los, dass sie nicht schlafen wollte. Die ganze Nacht war ich auf den Beinen und gab ihr stündlich die Brust. Von den Kinderkrankenschwestern hieß es: „dass ist der Milcheinschuss, zu Hause wird es dann wieder besser…“.
Zu Hause wurde es aber leider nicht besser, sie schlief am Tag nicht viel und in der Nacht fast gar nicht. Sie weinte stark und die Hebamme nahm an, sie leide an den 3-Monats-Koliken und dass wir da durch müssten.
Nachts hielt sie sich neben dem Weinen aber auch durch starkes Armrudern wach, so dass wir Ida ab der 6 Woche nur noch in einem Pucksack schlafen ließen, um wenigsten mal ein-zwei Stunden schlaf zu bekommen.
Das Stillen klappte auch immer weniger, Ida nahm meine Brustwarze nicht richtig in den Mund und drehte immer den Kopf weg. Nach 4 Wochen stellte ich deswegen auf die Flasche um.
Nachts wurde es auch nach den 3 Monaten mit dem Schlafen nicht besser und an mehr als 3 Stunden Schlaf war nicht zu denken. Sie schlief bei uns im Zimmer in einem Beistellbett, so konnte ich Ida ohne Aufstehen schnell erreichen. Der Rat unserer Kinderärztin war darauf hin, dass Ida aus dem Elternschlafzimmer ausziehen sollte.
Auch Tagsüber war Ida kein sehr fröhliches Baby, sie meckerte und weinte viel und wollte ständig beschäftigt werden. Die Schläfchen die sie am Tag machte dauerten maximal 40 Minuten.
Den Rat befolgten wir dann am Anfang des 4 Monats und Ida zog in ihr Kinderzimmer um. Leider wurden aber die Nächte nicht besser sondern schlechter. Sie schlief am Anfang maximal 2 Stunden zusammenhängend und danach war sie alle halbe Stunde wach und weinte. Wir waren alle drei am Ende unserer Kräfte.
Zu dem Problem mit Ida kam auch noch unser Umfeld. Viele sagten immer, dass das normal ist, dass Säuglinge immer anstrengend sind und Nachts nicht viel schlafen. Aber der Papa war von Anfang an der Meinung, irgendwas stimmt hier nicht.
Bei der nächsten Untersuchung beim Kinderarzt wurde wieder nach Idas Schlafrhythmus gefragt und nachdem ich von unseren anstrengenden Nächten erzählte, berichtete unsere Kinderärztin von Frau Priese. Ich rief Frau Priese am selben Tag an und abends hatten wir ein langes Gespräch. Ich wurde gleich von Frau Priese daraufhin gewiesen, dass auch Fragen gestellt werden, die ich vielleicht nicht gleich mit Idas Problem in Verbindung bringen kann, die aber wichtig sind.Während des Telefonates erzählte ich auch von der Geburt und prompt war Ida wach und weinte.Den ersten Rat, den Frau Priese uns dann am Telefon gab, war Ida wieder ins Beistellbett zu uns zu holen.
Unser erstes Treffen fand ein Woche später statt. Wir Eltern waren sehr aufgeregt und neugierig, was auf uns zu kam und waren voller Hoffnung, dass uns endlich jemand hilft.
Ida war am Anfang sehr zurückhaltend und schaute skeptisch, doch nach einer halben Stunde begann sie zu „erzählen“. Für uns war das eine ganz schöne Überwindung, da das „Erzählen“ sich in starkem Weinen und ganz viel Bewegung äußerte. Der Papa hielt Idas Füße und Frau Priese legte die Hand auf Idas Stirn. Wir alle redeten mit ihr und bestärkten sie in ihrem Tun. So drehte und weinte Ida sich ca. 45 Minuten, bis sie total erschöpft war. Nach dieser ersten Sitzung waren wir alle erschöpft. Ida schlief danach fast eine Stunde und auch die erste Nacht gestaltete sich ruhiger. Auch in der zweiten Nacht konnten wir eine deutliche Verbesserung bemerken.
Ab dem dritten Tag fiel sie wieder in ihr altes Muster. Aber darauf hatte Frau Priese uns vorbereitet und so warteten wir sehnsüchtig auf unsere nächste Sitzung. Bei den nächsten Sitzungen verlief es ähnlich, Ida weinte stark und viel und ahmte ihren Geburtsprozess nach. Nach jeder Sitzung hatten wir das Gefühl, sie wird immer glücklicher und befreiter. Einen Monat später ließen wir auf Anraten von Frau Priese den Pucksack weg und es funktionierte.
Ida fing an zu lächeln, ihre Umgebung fröhlich zu erkunden und wir wurden immer entspannter.Bei den nächsten Sitzungen zeigte uns Frau Priese, wie wir ihr mit der Schmetterlingsmassage helfen können, ihre Verspannungen loszuwerden. Die Schmetterlingsmassage ist heute noch Bestandteil unseres Morgenrituals.
Nach der achten Sitzung, Ida war 6 Monate alt, haben wir sie in ihrem Zimmer, im großen Bett schlafen lassen und es funktionierte. Das Beistellbett war ihr einfach zu klein geworden.
Nach der 10. Sitzung meinte Frau Priese, Ida wäre nun auf einem guten Wege und bräuchte nun eigentlich keine Sitzung mehr. Da uns Eltern die Sitzungen aber auch gut taten, baten wir sie, noch zweimal wieder kommen zu dürfen.
Wir können Frau Priese nur danken, die ersten Monate waren so schwer für uns gewesen, dass ich sogar den Wunsch hatte, alles wieder rückgängig zu machen und Ida abzugeben.
Nun ist unsere Ida wie ausgewechselt. Heute sagt jeder, der sie sieht, dass sie ein sehr freundliches Kind ist und viel lacht. Natürlich gibt es auch noch Tage, an denen sie weiterhin viel weint und meckert. Aber es sind nur noch vereinzelte und die rauben uns nun nicht mehr so schnell die Kraft. Die Nächte sind nun auch toll geworden, es gibt sogar schon Nächte in denen Ida uns nicht mehr braucht.
Diese Sitzungen haben uns als Familie stark zusammengeschweißt. Wir nehmen nun unser Baby viel ernster, reden viel mit Ida und respektieren ihre Gefühle und unsere. Ida dankt uns dies mit ganz viel Liebe und vielen schönen Stunden.
An die Stunden zusammen mit Ida und ihren beiden Eltern denke ich dankbar zurück und ich wünsche mir, dass alle Eltern so aufgeschlossen und zur Mitarbeit bereit sein könnten, wenn ihre kleinen Kinder so viel zu „erzählen“ haben. Ich danke Idas Eltern von Herzen für diesen ihren Bericht.  R. P. im Mai 2012



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